27 Januar 2012

#195

Gestern habe ich mich schon wieder verloren. Einige tiefe Schnitte hat die Klinge ausgeführt. Blutige Spuren auf der Haut, haben Wärme und Dasein in mich strömen lassen – wenigstens für einen kleinen Sekundenbruchteil. Ein Gefühl von Glücksseligkeit. Beißender Rauch füllt jetzt meine Lungen. Dichte Rauchschwaden hängen bedrückend im Raum. Benebeln mich. Die Uhr kann ich nicht erkennen. Die Zeit nicht fühlen. Worte bedeuten mir heute kaum etwas. Ich glaube keines, hätte die Kraft, mir jetzt neue Hoffnung zu schenken.
 
Heute Nachmittag hat der Abschaum der mich im Spiegel anblickt veranlasst, dass das wenige Essen wieder in der Keramik gelandet ist. Eigentlich müsste ich jetzt grinsen, aber mir ist nicht wirklich danach. Im Moment, habe ich keine Kontrolle über meinen Körper. Oder über mich. Oder über irgendetwas. In mir brodelt es. Irgendwie tobt da ein mächtiger Orkan. Ich schraube den Deckel der Glasflasche ab und setze sie an. Nehme einen großen Schluck, ein gutes Gefühl. Irgendwie beruhigend, wärmend. Ich schließe die Augen. Wieder breitet die Einsamkeit ihre Schwingen aus. Ich greife nach den Tabletten, die vor mir auf dem Tisch liegen. Versuche mich kraftlos vom Boden aufzurappeln und stolpere Richtung Couch. Die kleinen Glücklichmacher drücke ich mir in meine hohle Hand. Und mit der Anderen greife ich nach dem flüssigen Vergessen. Kälte pulsiert durch meine Adern. Durchströmt meinen wertlosen, dreckigen Körper. Ich versuche sie, in einer halben Flasche Vodka ertrinken zulassen. Innerlich grinse ich jetzt doch hämisch. Bin ich ein Sadist, wenn ich meinen Gefühlen beim Sterben zusehe? Egal, ich würge die Pillen runter. Und für einen Augenblick befürchte ich, auf den weißen Teppich kotzen zu müssen.

Und jetzt…. ist da wieder die Stille in mir, die ich ertragen muss. Ertragen. Irgendwie meine ich im Moment, das doch alles im Leben mit ertragen zu tun hat. Leid. Schmerz. Verlust. Versagen. Scheitern. Nichts anderes ist es doch. Irgendwann muss doch auch mal Schluss sein dürfen. Oder etwa nicht?

2 Kommentare:

  1. Ich weiß gar nicht wirklich, was ich sagen soll.. Ich bin schon eine Weile stille Mitleserin hier und dieser Eintrag hat mich so berührt. Vielleicht, weil ich mich so sehr darin wiederfinde..
    Ich glaube, Worten helfen nicht viel..Aber ich mag dich wissen lassen, dass du nicht allein bist.
    Ich wünschte,ich könnte so schreiben wie du und das alles in Worte fassen..
    Ich denke an dich.

    AntwortenLöschen
  2. du versagst nicht. du scheiterst nicht. aber du führst offenbar ein leben, was dich alles andere als zufriedenstellt. das kann (!) besser werden ♥

    AntwortenLöschen